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Mein Forschungsinteresse galt lange der Geschichtsphilosophie, wie meine Bücher über den Antichrist im Mittelalter (1973/79) und das Denkmodell des Labyrinths im Kontext des Sinnproblems (1990) zeigen; doch seit den 1990er Jahren fesselte mich die Naturästhetik. Ausgangsthese war, daß der Sinnhorizont Geschichte, den die Aufklärung konstituiert hatte, in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts abgelöst wird durch den Sinnhorizont Natur. Die Gewalt- und Katastrophengeschichte hat jede Geschichtstheorie nachhaltig diskreditiert; eine Sinnstruktur in der Geschichte ist vernünftigerweise nicht konstruierbar. Damit wird Hegels Geschichtsmetaphysik zu einem historischen Phänomen. Das Ethische zeigt sich nicht in der Geschichte, sondern alltäglich im Intersubjektiven menschlicher Solidarität, in Akten der Kommunikation. Sinnoffenbarung wird seit Hölderlin und der Romantik eher in sakralisierter Natur gesucht, in der Erkenntnis einer ästhetischen Ordnung, der letztlich der Paradiesmythos zugrunde liegt. Aisthesis ist hier im Wortsinn als gesteigerte Wahrnehmung, als Heraustreten eines Verborgenen verstanden. - Zur Kritik technischer Weltbemächtigung gehört meine These, daß Natur unter der Herrschaft planetarischer Technik nur noch ästhetisch zu retten ist. Im Ästhetischen aber, so Wittgenstein, steckt Ethisches. Damit ergäbe sich das Postulat umfassender Wahrnehmungsänderung: weil der Mensch unabweisbar selbst Teil der Natur ist, kann diese nicht länger bloßes Objekt der Biotechnik und anderer Strategien sein. Angesichts der die Natur vernutzenden Globalisierung ist Bewahrung der Schöpfung ein Akt humaner Selbsterhaltung. Ein neuer Aspekt ergab sich aus meiner Tätigkeit als Dozent an einer katholischen Akademie: der Zusammenhang von Religion und Kultur eröffnete ein eigenes Arbeitsfeld. Die Beschäftigung mit Literatur, Kunst und Philosophie der Epoche von 1800 bis 2000, dem Projekt Moderne, lenkte den Blick auf das im Profanen verborgene Sakrale. Hier geht der Wandel der Naturwahrnehmung seit Nietzsche vom Erhabenen zum Epiphanen. Nietzsches Zarathustra, so sehr er Kunstfigur ist, bezeugt den Willen zur Epiphanie. Die Moderne, oft als areligiös beschrieben, ist für Epiphanes in hohem Maße offen. Epiphanes ist das Aufscheinen des Heiligen inmitten des Alltags, primär an den Rändern und Schwellen der Lebenswelt. Seit dem Traditionsbruch um 1800 ist keine Kultur damit so konfrontiert wie die euro-amerikanische Moderne. Das Heilige, das sich gern anonym gibt (ein theologisches Problem, das diskussionswürdig wäre), nutzt noch den "Schein", um unser Dasein zu erhellen. Dieses "Erscheinen" kann nicht bloß phänomenologisch erfaßt werden, insofern es Momente einer Ekstasis enthält, die Künstler wie Barnett Newman, Rothko und Beuys, selbst Francis Bacon darzustellen suchten. Literatur und Kunst haben mit dem Heiligen zu tun, insofern sie ihm einen Raum des Erscheinens verschaffen, worin "wahre Gegenwart" (Yves Bonnefoy) aufschimmert. Ohne Epiphanie keine Erkenntnis. Selbst Kunst und Literatur der vermeintlich säkularisierten Moderne leben von dem, was Walter Benjamin "profane Erleuchtung" genannt hat. |