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Die Vögel des Himmels.  
Naturmetaphern von Matthäus bis Messiaen

Zur Zeit arbeite ich an einer kulturhistorischen Studie zur Wirkungsgeschichte biblischer Naturmetaphern in Kunst und Literatur. Die Psalmen vergleichen den Menschen mit dem vergänglichen Gras, Matthäus dagegen verweist ihn auf die sorglosen Vögel des Himmels und die Schönheit der Lilien im Feld. Das Verhältnis von Mensch und Welt jeweils verschieden gedeutet: Während der Psalmist mit seinem Naturbild an Sterblichkeit und Vanitas erinnert, spricht Matthäus, anspielend auf den Garten Eden, von ästhetisch und ethisch begründetem Schöpfungsvertrauen.

Diese Topoi inspirieren die christlichen Mosaiken in Rom und Ravennna ebenso wie den religiös grundierten Realismus von Giotto und Van Eyck. Erstaunlich, daß gerade die Klassische Moderne im 20. Jahrhundert diese Naturmetaphern aufgreift und daraus Denkbilder macht: Matisse in seinen Paradiesfantasien, Brancusi mit dem mythischen Vogel Maiastra, Max Ernst in seinen Vogelbildern, Edward Hopper mit dem Gras, das mysteriös um seine Häuser geistert und bei Friederike Mayröcker wiederkehrt; noch in den Filmen von Hitchcock und in der Musik von Messiaen spielen die Vögel des Himmels eine besondere Rolle.