Vita

Geboren 1940 in Rostock; Studium der Geschichte, Germanistik und Philosophie an der Universität Erlangen-Nürnberg; 1969 Promotion zum Dr. phil. bei dem Mediävisten Prof. Arno Borst (Konstanz) mit einer Arbeit zur mittelalterlichen Geschichtsphilosophie.

Von 1971 bis 2005 Dozent an der Bischöflichen Akademie Aachen, dort Leiter des Fachbereichs Kultur und Ausstellungsmacher. Lebt als freier Autor in Aachen.

Mein Interesse galt früher vor allem der Geschichtsphilosophie, zunächst der symbolistischen des 12. Jahrhunderts, danach den Entwürfen seit Vico und Kant. Doch unabweisbar sind diese selbst schon historisch geworden; nach der Katastrophengeschichte des 20. Jahrhunderts und dem Ende des Kalten Krieges gehen von der Geschichtsphilosophie keine lebendigen Impulse mehr aus. In einer Studie zur Sinnproblematik von der Aufklärung bis Nietzsche (1990) habe ich den tiefgreifenden Paradigmenwechsel behandelt: vom Sinnhorizont Geschichte hin zum Sinnhorizont Natur. Offenkundig gewinnt Natur wachsende Bedeutung im ethisch-politischen Diskurs, mit Auswirkungen selbst auf Technik und Ökonomie. Im Blick auf Literatur und Kunst habe ich diesen Vorgang in meiner Naturästhetik von Hölderlin bis Beuys (1998) ausgeführt. Mein weiteres Interesse richtet sich, mentalitätsgeschichtlich grundiert, auf die Wechselbeziehungen zwischen Religion und Kultur, näherhin zwischen Religion und Ästhetik. Daß die Moderne von Grund auf areligiös sei und nur in Gegnerschaft zur Religion sich emanzipiert habe, ist ein Klischee, das nicht haltbar ist. Es gibt religiöse Subtexte, wo man sie kaum vermutet: in der Literatur von Proust über Musil und Thomas Mann bis hin zu Onetti und Montale, in der Kunst bei Francis Bacon, Barnett Newman und Joseph Beuys, selbst in der Philosophie Wittgensteins, der weniger Logiker als vielmehr auf sehr persönliche Weise ein „Mystiker“ war. Jenseits konfessioneller Bindung artikulieren sich – häufig ironisch oder parodistisch – religiöse Momente: die Profanität wird auf Sakrales hin durchlässig. Diesen Aspekt untersuchten meine Essays über das Heilige und die Kunst (2004), die ich unter das Zeichen des „Epiphanen“ stellte: an den Rändern der Lebenswelt, ja inmitten der Profanität leuchtet das Heilige als das „Andere“ auf. Dafür hat Beuys eine treffliche Formel geprägt: „Die Mysterien finden im Hauptbahnhof statt“. Zur Zeit arbeite ich an einem motivgeschichtlich orientierten Essay über das Fortleben biblischer Denkbilder seit der Romantik und Hölderlin: Auslöser ist das ethisch-eschatologische Gleichnis von den „Vögeln des Himmels“ im Matthäus-Evangelium. Auf überraschende Weise reaktiviert die Moderne die alten, im kulturellen Tiefengedächtnis gespeicherten Symbole und entwickelt daraus ihre ganz eigenen Sinnkonstrukte.